Im Sommer füllen Zeitungen ihre Seiten aus Mangel an wirklich weltbewegenden Nachrichten gerne mit nicht minder relevanten Themen, wie: Brauchen wir wirklich Wellensittiche als Haustiere oder Welche Farbe für E-Autos wird überschätzt. Das ist die "Saure-Gurken-Zeit". In Johanna Seebauers wunderbarer Petitesse "Das Gurkerl" geht die in Essig eingelegte Köstlichkeit viral. Nun, eine in Rage geschriebene Kolumne, die vor der Gefährlichkeit des konvervierten Gemüses warnt. Aber von vorn: Dem überaus wichtigen Redakteur einer Lokalzeitung geschieht beim Öffnen eines Gurkenglases ein Missgeschick. Essigwasser spritzt in sein Auge, die völlige Erblindung durch Verätzung droht, viele so wunderschön kreative österreichische Schimpfworte lassen die Großraumkollegen innehalten. In einer geharnischten Kolummne erklärt der Redakteur der Essiggurke den Krieg und alle gehen mit. Eine absurde Debatte beginnt, es gibt Petitionen und Demonstrationen, Infoblätter und Kampagnen - on- und offline auf Fussgängerzonen.
Mittenmang dabei, der Erzähler. Nicht so meinungsstark, eher verunsichert, ob der Vehemenz der Debatte, aber schon aus Prinzip für die Essiggurke. Sie schmeckt halt so gut...
Dieser von Nikolaus Heidelbach großartig illustrierte Text, für den Johnanna Seebauer in Klagenfurt ausgezeichnet wurde, ist zwar eine hemmungslos übertreibende Skizzierung unserer Erregungsgesellschaft, aber eine Groteske, die die Mechanismen unserer Empörung bloßlegt und mit den schönsten und derbsten Kraftausdrücken wie z. B. "brunzdeppert" zu charakterisieren vermag. Ein Schelm, wer sich erkennt.
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Sommerzeit in den Zeitungsredaktionen der Stadt. Ein wahrhaft bedeutender Redakteur schreitet zur Zubereitung seiner Frühstückssemmel. Beilage: knackige Gurkerl. Als er hineinbeißt, spritzt ihm das Essigwasser direkt ins Auge. Das Geschrei ist groß, der Redakteur kurz vor der Erblindung! Der Zwischenfall zieht Kreise: Aus dem Missgeschick wird eine Kolumne, dann ein Thema für Leserbriefe, Interviews, schließlich eine öffentliche Debatte. Gurkerl werden verboten, Proteste formieren sich, die Redaktion spaltet sich in Lager. Mit beißender Ironie kommentiert Johanna Sebauer mit Das Gurkerl, kongenial illustriert von Nikolaus Heidelbach, unsere heutige Empörungskultur. »Sebauer beweist, dass Literatur unterhaltsam und lustig und dennoch bedeutsam sein kann.' AUS DER JURYBEGRÜNDUNG DES BACHMANN-WETTBEWERBS