Ein Roman, der zunächst wie eine Satire auf den reißerischen Umgang mancher Medien mit dem Elend Einzelner, entpuppt sich als umfassende Auseinandersetzung mit einer durchschnittlich unglücklichen Familie.
Auf relativ wenigen Seiten verwebt Megan Nolan sehr viele Geschichten und Schicksale. Fesselnd und klarsichtig erzählt sie von der Carmel und ihrer Familie, die Irland auf der Suche nach Glück Richtung London verlassen haben, nur um sich noch stärker als Außenseiter wahrzunehmen und von Tom, dem Schreiber, der sich die ganz große Story erhofft und sich selbst verabscheut dafür. Klug lässt Nolan uns erkennen, dass selbst ganz alltägliche menschliche Schwächen – die Fähigkeit, Fehler zu machen; die Unfähigkeit zu kommunizieren oder um Hilfe zu bitten, direkt in die Verzweiflung führen können.
Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben.»Adolescence« hat uns wachgerüttelt, was männliche Täterschaft angeht. Aber was, wenn die Täterin ein Mädchen ist?Eine packende, psychologisch scharfsinnige Geschichte über Klasse und Trauma, Scham und Gewalt